Wenn eine geht

Wenn eine geht

German-language emotional neo-soul / R&B protest ballad with a powerful female lead vocal. Warmdeepsoulful voice with expressive phrasingsubtle rasp and emotional vulnerability. Singer is a German woman with Sri Lankan family rootsconveying sadnessdignity

Lyrics
WENN EINE GEHT

[Strophe 1]
Meine Wurzeln liegen weit im Süden,
Sri Lanka klingt noch irgendwo in mir.
Doch meine Heimat war seit vielen Jahren
nicht dort – meine Heimat war hier.

Ich hab den deutschen Pass in meiner Tasche,
meine Kinder wachsen hier zu Hause auf.
Hab gearbeitet, gelacht und Steuern gezahlt,
hab geglaubt, das nimmt hier seinen Lauf.

Wir haben Freunde, wir haben unser Leben,
einen Mann, zwei Kinder, unser kleines Glück.
Ich wollte diesem Land so vieles geben –
doch irgendwas kommt nicht mehr zurück.

[Pre-Chorus]
Denn Blicke werden kälter,
und Worte werden laut.
Und plötzlich wird die Frage, woher ich komme,
wieder viel zu oft gestellt.

[Refrain]
Vielleicht Minnesota,
vielleicht Florida am Meer,
vielleicht Hawaii, ganz weit draußen –
ich weiß es selbst noch nicht so sehr.

Ich weiß nur: Dieses Land dreht sich ins Blaue,
und diese Farbe macht mir Angst.
Wenn meine Kinder irgendwann verstehen,
warum ihre Mutter nachts nicht schlafen kann.

Dann pack ich lieber unsre Sachen,
bevor aus Worten Wirklichkeit entsteht.
Wenn einer gehen muss, weil Hass hier wieder wächst –
dann bin wohl ich die, die geht.

[Strophe 2]
Ich brauche keinen Dank für meine Arbeit,
kein Schulterklopfen dafür, dass ich hier bin.
Ich möchte morgens einfach vor die Tür geh’n,
ohne zu fragen: „Passe ich hierhin?“

Ich spreche eure Sprache, trag euren Pass,
hab Weihnachten gefeiert, geweint und gelacht.
Doch was muss ein Mensch denn noch beweisen,
bis ihr endlich keinen Unterschied mehr macht?

Meine Kinder sind nicht „halb“ von irgendetwas,
sie sind vollständig – genau wie ihr.
Und wenn ihr fragt: „Wann geht ihr wieder heim?“
dann sage ich: „Verdammt – wir waren hier.“

[Bridge]
Ich gehe nicht, weil ich Deutschland hasse.
Vielleicht tut es gerade deshalb so weh.
Weil ich dieses Land einmal Heimat nannte
und es langsam nicht mehr wiederseh’.

Ich will keine Angst vor Fahnen haben,
keine Angst vor Namen, Haut und Herkunft hier.
Ich will, dass meine Kinder Menschen sehen –
und keine Schubladen an der Wohnungstür.

[Refrain]
Vielleicht Minnesota,
vielleicht Florida am Meer,
vielleicht Hawaii, ganz weit draußen –
Hauptsache, dieser Hass kommt nicht hinterher.

Denn dieses Land dreht sich ins Blaue,
und ich erkenne es kaum noch wieder.
Aus einem Flüstern werden Parolen,
aus Parolen werden wieder Lieder.

[Finale]
Vielleicht bleibe ich.
Vielleicht kämpfe ich.
Vielleicht sag ich: „Jetzt erst recht.“

Doch wenn meine Kinder mich einmal fragen:
„Mama, warum sind wir weggegangen?“
dann will ich ihnen niemals sagen müssen:
„Weil wir nicht deutsch genug für Deutschland waren.“

Ich bin Deutsche.
Sri Lanka lebt in mir.
Beides war niemals ein Widerspruch.

Und wenn ein Land Menschen wie mich verliert,
weil Hass wieder gesellschaftsfähig wird,
dann geht nicht nur eine Frau.

Dann geht auch
ein kleines Stück
von diesem Land.